Auf Meisterkurs

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Auf Meisterkurs – Kira Schmidt lernt im Hahnheimer Malerbetrieb ihres Vaters

Erschienen am 21.07.2018 um 01:00 Uhr, zuletzt geändert am 21.07.2018 um 02:08 Uhr

Als seine beiden Kinder noch klein waren, kamen die Sprüche. Holger Schmidt erinnert sich genau dran. „Du hast zwei Mädchen – das wird nix“, hieß es. Wenn dereinst ein Nachfolger für seinen Malerbetrieb …

Von Torben Schröder

Kira Schmidt mit dem grünen Koffer der Sto-Stiftung. Die Hahnheimerin ist eine von deutschlandweit 100 Auszubildenden, die prämiert wurden.	Foto: hbz/Michael Bahr  Foto: hbz/Michael Bahr
Kira Schmidt mit dem grünen Koffer der Sto-Stiftung. Die Hahnheimerin ist eine von deutschlandweit 100 Auszubildenden, die prämiert wurden. Foto: hbz/Michael Bahr Foto: hbz/Michael Bahr

HAHNHEIM – Als seine beiden Kinder noch klein waren, kamen die Sprüche. Holger Schmidt erinnert sich genau dran. „Du hast zwei Mädchen – das wird nix“, hieß es. Wenn dereinst ein Nachfolger für seinen Malerbetrieb gesucht wird, muss sich der Hahnheimer wohl außerhalb der eigenen Familie umschauen. Hieß es. Bis seine Tochter Kira ihre Leidenschaft für das väterliche Handwerk entdeckte. „Ich hatte eine Phase in der Schulzeit, in der ich gar nicht wusste, was ich machen will – nur, dass ich auf keinen Fall studieren will“, erinnert sich die 20-Jährige. Ein Praktikum beim Architekten war ihr „zu trocken, man sitzt ja nur am Computer“. Und nach 13 Jahren im Nieder-Olmer Gymnasium auch noch in Vorlesungssälen sitzen? Niemals. Erfolg haben geht auch anders, im Handwerk. Im Keller des Familienwohnhauses, wo der Fünf-Mitarbeiter-Betrieb seine Werkstatt hat, steht ein großer grüner Rollkoffer. Die Sto-Stiftung unterstützt unter dem Motto „Du hast es drauf – zeig’s uns!“ Maler- und Lackiererazubis im dritten Lehrjahr. Eine von deutschlandweit 100 Auszubildenden, die mit dem Werkzeug im Wert von 1000 Euro sowie Fachbüchern prämiert worden ist, ist Kira Schmidt. Wobei drittes Lehrjahr nicht ganz korrekt ist, denn nach ihrem Abi hat die 20-Jährige auf zwei Jahre verkürzt, als einzige in ihrer Klasse. „In der Zwischenprüfung bin ich ganz knapp an einer Eins vorbeigeschrammt, im Zeugnis hatte ich fachbezogen immer ,Sehr gut‘“, erzählt sie. Nach der Gesellenprüfung werden die zehn Besten gesondert prämiert, und mit jeweils 95 von 100 Punkten in Theorie und Praxis rechnet sie sich gute Chancen aus.
„Stolz bin ich auf jeden Fall“, sagt Kira Schmidt über ihre Auszeichnung – und richtet einen Dank an Ausbildungsmeister Harald Bolenz. Sowie natürlich ihren Papa, denn den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolvierte sie komplett daheim. „Das kam bei vielen erst einmal nicht so gut an. Aber ich wusste, dass es mir keiner besser beibringen kann als mein Vater“, sagt sie. Holger Schmidt hat 1994 in Hahnheim seinen Malerbetrieb gegründet. „Fassaden, Bodenbeläge, Tapezieren, Lackieren, Verputzen, Trockenbau, alles“ umfasst das Repertoire. Viele Privatkunden im Schwerpunkt in der Umgebung, aber auch mal in Boppard oder Wiesbaden gibt es. Der Laden brummt. „Früher musste man gucken, dass man Arbeit bekommt. Heute stehen die Leute Schlange“, sagt Holger Schmidt. Seine Frau Sandra arbeitet im Betrieb mit, ansonsten sind es nur Männer. In der anfangs aus zwei Dutzend, am Ende noch aus 15 Azubis bestehenden Klasse der Tochter gab es noch zwei weitere Frauen. „Alle meine Freunde studieren“, erzählt Kira Schmidt, die sich neue Ziele gesetzt hat: Ab August will sie ihren Meister machen, ein Jahr, in Vollzeit. Das geht in Rheinhessen nicht, aber in Wiesbaden. „Danach möchte ich hier arbeiten“, sagt die 20-Jährige, die mit ihrem Freund in Nieder-Olm wohnt. Weiter weg von Hahnheim kommt nicht in Frage. Auf ein Stipendium spekuliert sie, der Preis der Sto-Stiftung macht Hoffnung. „Die Nachwuchsgewinnung ist schwierig“, berichtet Holger Schmidt, „früher gab es zwei Klassen zu je 30 Leuten, jetzt schließen gerade 15 ab.“ Ausgebildet hat er schon mehrmals, niemand blieb im Betrieb. Zum 25. Jubiläum kommt die Tochter zurück. „Das ist klasse, wir freuen uns riesig“, sagt der stolze Vater. Er hätte es ahnen können. Ein altes Foto zeigt die kleine Kira auf einem Stuhl, wie sie ihrem Vater bei den Arbeiten an der Flur-Decke hilft. „Der Hausbau war prägend“, erinnert sie sich, „immer, wenn ich meinen Vater gesehen habe, wollte ich ihm helfen.“

Ihre Schwester zog es in den Verkauf, doch für Kira Schmidt ist das Maler-Handwerk der ideale Beruf. Echte Handarbeit, nur mit geringer maschineller Unterstützung, bis auf Navi, E-Mails und per Computer bestellten Farbmischungen praktisch null digitalisiert. „Genau mein Ding“, grinst Kira Schmidt.

Quelle: https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/oppenheim/vg-rhein-selz/hahnheim/auf-meisterkurs-kira-schmidt-lernt-im-hahnheimer-malerbetrieb-ihres-vaters_18935541 </font>